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Apr 26 2017

Dorf mit Herz feiert 750. Geburtstag: Zettingen steckt mitten in den Festvorbereitungen

Bericht in aus der Rheinzeitung:

Zettingen. Jesus am Bußkreuz ist sozusagen der „älteste Einwohner“ von Zettingen. Das Wegekreuz mit der geschnitzten Figur aus dem 18. Jahrhundert stand viele Jahre auf dem zentralen Dorfplatz. Zettingen steckt mitten in den Vorbereitungen zur 750-Jahrfeier am Wochenende, 19. und 20. August, und bei der Bürgerversammlung im Gemeindehaus stellt Walter Fuhrmann das restaurierte Holzkreuz vor, das nach Auflage der Denkmalpflege nicht mehr im Außenbereich aufgestellt werden darf. Das Originalkruzifix findet nun seinen Platz in der Kirche, eine Nachbildung ziert die Dorfmitte.

Die gesamte Geschichte des Bußkreuzes und der Gemeinde ist in der 96-seitigen Jubiläumsfestschrift nachzulesen. Viele Zettinger engagieren sich seit 2015 mit Hingabe in den Festausschüssen und Arbeitskreisen, die unter anderem spannende Beiträge zur 750-jährigen Historie des Dorfes verfasst haben. Das Heft beschreibt auch das aktuelle Zettingen und die Zukunftsvisionen der Kinder.

Natürlich beginnt das Leben in Zettingen nicht erst vor 750 Jahren, sondern bereits in der Römerzeit, wie archäologische Funde belegen. Doch urkundlich erwähnt wird das Dorf erstmals am 1. Mai 1267 in einem von Heinrich von Pyrmont unterzeichneten Dokument. Die Dorfchronik beschreibt den Lauf der Geschichte der Region beziehungsweise des Landes, die mit der Entwicklung der Eifel verknüpft ist. Auch das Leben in Zettingen wird bestimmt vom Rittertum im Mittelalter, von den Wirren des Dreißigjährigen Krieges, vom Kurfürstentum Trier, von den Preußen und Franzosen sowie vom Leid der beiden Weltkriege.

Zähnesch Justin (Justine Schenk) ahnte damals nicht, dass ihr Foto mit dem Kuhgespann einmal in einer Festschrift verewigt würde.

 

Zettingen ist geprägt von der Landwirtschaft, was sich im Wappen und der Ortsfahne widerspiegelt, vom kirchlichen Leben und von den Vereinen. Diesen Bereichen des Dorflebens widmet die Festschrift lesenswerte Beiträge, zum Beispiel über die zentrale Produktion von „Birrekraut“, die bis Ende der 1940er-Jahre in Zettingen ansässig war. Beschrieben werden auch Eifeler Traditionen, etwa „Hillich“ (Polterabend) mit seinen speziellen Liedern und Gedichten.

Für die Kinder, die in der Festschrift die Möglichkeit haben, ihr Dorf der Zukunft in Bildern und Texten darzustellen, spielen alte Bräuche keine große Rolle mehr. Sie sehen sich auf Hoverboards durch die Straßen sausen, während Traktoren und Mähdrescher über die Felder fliegen. Handys braucht kein Mensch mehr, weil ein Ring oder eine Uhr den Alltag organisieren. Dominik ist bescheiden, er wünscht sich ein Trampolin auf dem Spielplatz, und Eyleen möchte auch im Alter in Zettingen wohnen, aber nur, wenn sie dort in ein Seniorenheim einziehen kann.

Um derartige Wünsche muss sich dann der Ortsbürgermeister oder die Ortsbürgermeisterin kümmern. Der derzeitige Dorfchef Johannes Hammes ist sehr stolz auf seine Mitbürger, die fast alle eine Aufgabe zur Vorbereitung und Organisation des Festwochenendes im August übernommen haben. Er betont: „Wir hatten schon immer eine gute Dorfgemeinschaft. Doch die gemeinsamen Festvorbereitungen schweißen uns noch mehr zusammen.“ Hammes verweist auch darauf, dass Zettingen durch Spendenaktionen bewiesen hat, dass es ein „Dorf mit Herz“ ist.

Die Sprecher der Festausschüsse schildern ihre bereits abgeschlossenen Planungen und die Aufgaben, die sie noch erledigen müssen. So muss sich der Ausschuss Infrastruktur um die Ausweisung von Parkplätzen an den Dorfeingängen ebenso kümmern wie um weiträumige Umleitungen und Absperrungen, um Sicherheitsvorkehrungen und Hinweisschilder, Abfallentsorgung und Toiletten, Wasser und Stromversorgung der Essensstände sowie das Einholen der notwendigen Genehmigungen bei den zuständigen Behörden.

Für die Finanzierung des großen Festes, das in diesem Jahr in der Region eines der größten sein soll, legen sich die Rechenkünstler ins Zeug. Mit spitzer Feder kalkulieren sie die Einnahmen und Ausgaben, legen Preise fest und schätzen die Anzahl der Besucher. Alle Ausschüsse müssen im Übrigen auch einen „Plan B“ ausarbeiten, der dann in Kraft tritt, falls am Festwochenende wider Erwarten schlechtes Wetter sein wird.

Rheinzeitung / Brigitte Meier

 

Das Programm: „Zedding frehe, hout und morje“

 

Die Feierlichkeiten zum 750. Geburtstag Zettingens steuern auf den Höhepunkt am Festwochenende im August zu. „Zedding bei Nacht und Musik“ ist das Thema am Samstag, 19. August, wenn um 14 Uhr der Handwerkermarkt im Ortskern eröffnet wird. Um 16.30 Uhr ist die offizielle Eröffnung des Festes, die vom Programm auf dem Festplatz vor dem Gemeindehaus begleitet wird. „Bofier? Dofier!“ heißt die Aufführung der Zettinger Laienspielgruppe um 18.30 und 20.30 Uhr. Um 19.30 Uhr sind die Besucher zu einer Autorenlesung eingeladen. Ab 20.30 Uhr wird bei Kerzenschein und mit der Musik der Band Sixbit weitergefeiert. Für 23 Uhr ist ein Feuerwerk geplant.

 

Am Sonntag, 20. August, geht das Fest von 9.30 Uhr bis zum Abend weiter mit Gottesdienst und Frühschoppen, Kaffee und Kuchen wie zu Großmutters Zeiten, Modenschau, Maibaum stellen wie früher, Verlosung und Dämmerschoppen. Ab 10.30 Uhr können die Besucher die Straßen und Höfe unter dem Motto „Zedding frehe, hout und morje“ durchstreifen. Zu bestaunen sind etwa ein Mittelalterlager, Oldtimer, Ausstellungen von Fotos, Malerei und Technik, Kinovorführungen und Mundarttheater. Zu essen gibt es unter anderem Eifeler Spezialitäten von „Kreppeltje bis Birrekraut“. Wer das Ganze von oben betrachten möchte, kann einen Hubschrauberrundflug machen.

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